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Landeskoordinierungssausschuss am 30.01.

Wir haben uns am letzen Montag mit den Vorsitzenden und den stellvertretenden Vorsitzenden der Kreis- und Stadtschülerräte zusammen gesetzt. Gemeinsam machten wir es uns im Kultusministerium gemütlich, um Raum für Kommunikation zwischen LandesSchülerRat und den Kreisschülerräten zu schaffen. Was jetzt nach gemütlichem Zusammensitzen klingt, war auch mit harter Arbeit verbunden, da wir eine straffe Tagesordnung abzuarbeiten hatten. Um sich besser kennenzulernen und über die Arbeit des LSR und der KSR Einblick zu bekommen, wurde sich erst einmal gegenseitig vorgestellt. Dies nahmen wir gleich zum Anlass, um das neue Kreispatenkonzept vorzustellen. Es ordnet jedem Mitglied der Arbeitsgruppe Basisarbeit einen SBA-Bezirk zu, welcher aus verschiedenen KSR und SSR besteht. In diesem Bezirk muss er als Kreispate agieren. Dabei besteht seine Aufgabe vor allem darin Hilfe zu leisten und als Bindeglied zum LSR zu agieren.

Zudem wird nun eine Art Ampelsystem erstellt werden, in das die einzelnen Kreise anhand von Indikatoren eingeordnet werden. Dies dient dazu, einen Überblick über die Qualität der Arbeit der Kreise zu behalten. Außerdem kann dadurch die Entwicklung des KSR/SSR besser nachvollzogen werden. Mit diesem Konzept soll aber auch die Zusammenarbeit der im Umkreis liegenden KSS/SSR erleichtert und gefördert werden. Da der Pate den genauen Einblick in die Arbeit der Kreise hat, kann dieser auch sehr gut zwischen diesen vermitteln.
Um schon einmal zu erfahren, wie die aktuelle Arbeit in den einzelnen Kreisen aussieht, trugen wir die Probleme der einzelnen Kreise zusammen und versuchten für manche auch schon gleich Lösungen zu suchen. Dies gestaltete sich manchmal aber auch als unmöglich, da wir auch sehr schwerwiegende Probleme zu Ohren bekamen, die wir jetzt gemeinsam mit den Kreisen versuchen werden zu lösen und dadurch die KSR/SSR wieder effektiv und arbeitsfähig zu machen.
Da die die Geschäftsordnung auch ein wichtiger Bestandteil für eine gute Arbeit ist, besprachen wir in einem Workshop, was man beim Verfassen dieser so alles beachten sollte und gaben dadurch eine Hilfe, damit zukünftig die Arbeitsgrundlage verbessert werden kann.
Außerdem besprachen wir inwiefern die Basisarbeit den Kreisen nach zu urteilen verbessert werden könnte. Aus den Ergebnissen dieses Tagesordnungspunktes werden wir nun ein neues Konzept für den Landeskoordinierungsausschuss entwerfen.
Zum Ende der Sitzung informierten wir noch über den Schülerentscheid, welcher Anfang März durchgeführt werden soll. Genauere Informationen dazu in naher Zukunft.

Fotos fast aller Termine auf Instagram: @lsr_sachsen

Paula in Brüssel – Teil 2

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es in das europäische Viertel in Brüssel. Erster Stopp war das  Europaparlament, wo uns Herr Winkler, sächsisches Mitglied dieses Parlaments, erwartete.

Natürlich hatten wir schon in Vorbereitung auf das Gespräch die wichtigsten Fakten im Kopf: 751 Mitglieder aus 28 Staaten, 24 verschiedene Sprachen, aller 5 Jahre durch die einzelnen Staaten gewählt, beschließen Gesetze, kontrolliert die anderen Organe der EU und beschließt den Haushalt; doch trotzdem erklärte er uns noch genauer, was vor allem er für eine Rolle in dem Ganzen spielt. Zudem stand er zu jeglichen Fragen Rede und Antwort. So sprachen wir auch über die aktuellen  schwer zu bewältigenden Aufgaben, die Europa momentan zu erfüllen hat . Von der Krise in Griechenland über den Brexit bis hin zur Flüchtlingspolitik wurde immer deutlicher, wie schwierig es doch ist bei 175 vertretenen Parteien aus allen EU-Ländern, welche sich zu 8 großen Fraktionen zusammenschließen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Viele verschiedene Meinungen, also gibt es auch viel zu diskutieren und zu verhandeln, weshalb es schon 3-5 Jahre dauert, bis endlich was beschlossen wird. Es ist aber auch echt schwer da eine klare Meinung zu haben, schließlich musst du irgendwie die Meinung deiner Fraktion vertreten, aber andererseits stehst du auch in der Pflicht das Beste für die Bürger deines Landes oder deines Bundesland herauszuholen. Jedoch ist es im Europaparlament nicht so, wie im Landtag, dass Fraktionspflicht besteht, wenn abgestimmt wird.

Oft wird sich heutzutage gefragt, ob die EU als solches überhaupt noch Sinn hat, aber viele haben bei dieser Frage nicht vor Augen, was wir der Europäischen Union alles zu verdanken haben; nicht nur Freizügigkeit dürfen wir genießen, sondern auch Frieden seit über 70 Jahren. Das ist doch echt mal einen positiven und vor allem dankbaren Gedanken wert.

Da man, um das Europaparlament mit seiner Komplexität zu erklären, auch die anderen Organe erwähnen muss, vielen auch die Begriffe Europäische Kommission, Europäischer Rat und Ministerrat – das sollte man definitiv im Kopf behalten. Darüber werden wir sicherlich auch noch schlauer.

Als kleine Überraschung danach  erhielten wir sogar ein Goodie-Bag. Natürlich nicht mit den üblichen Beauty-Produkten, sondern mit besonders schicken Schreibwaren – natürlich im EU-Design. Da waren wir auf einmal perfekt ausgestattet. Mit unseren neuen Errungenschaften besichtigten wir dann den Plenarsaal des Europaparlamentes, in dem ab 15:00 Uhr wieder die 751 Vertreter aus den 28 Mitgliedsstaaten getagt haben. Leider konnten wir aufgrund unseres sehr straffen Zeitplans die Plenarsitzung nicht besuchen, aber durften dafür in der Cafeteria des Europaparlamentes auf den ersten Genuss der belgischen Küche kommen.

Gesättigt ging es dann in Richtung Sachsen-Verbindungsbüro. Dort empfing uns Herr Kuhl, der Chef in Sachen Sachsen hier in Brüssel. Er erläuterte uns seine beratende Funktion, bei der er sich für relevante Themen, die Sachsen betreffen, ausspricht und sich dafür einsetzt Vorteile für uns herauszuholen. Dieses Sachsen-Verbindungsbüro ist also eine super Sache für uns.

Als Highlight des Tages ging es zum deutschen Botschafter in Belgien, seine Exzellenz Lüdeking. Er berichtete uns über seine Karriere – vom Lehrer zum Botschafter, aber wir sprachen auch über aktuelle Themen.

Um auch mal etwas anderes zu sehen, als das Europaviertel, haben wir nach unseren ganzen Businessterminen eine Stadt-Tour durch Brüssel gemacht. Im Schnelldurchgang klapperten wir alles ab, was Brüssel zu bieten hat – Atomium, Justizpalast, Königspalast, Fußballstadion, diverse Kathedralen, Manneken Pis, Marktplatz und der wunderbare Kanal mit seinen tollen Handelsbeziehungen. Die größte Überraschung des Tages war das spontane Konzert von Lost Frequencies auf dem Marktplatz. Alles war beleuchtet und die Lichter blinkerten im Takt. Eine kleine Party am Abend nach dem sehr informativen, aber auch anstrengenden Tag, war die Krönung, die wir mit vielen anderen jungen und alten Bewohnern Brüssels erleben durften.

Die Musik ging aus und wir waren kaputt vom herumtanzen, also ging es noch schön gemeinsam essen. Kugelrund und glücklich machten wir uns dann auf dem Weg nach Hause. Ein Hoch auf die Busfahrerin, dass sie uns abgeholt hat, denn in dem Zustand war jeder Schritt eine Qual.

Bevor es ins Bett ging wurde ich noch zu einem sehr lustigen Tischtennis-Match aufgefordert und das war für den Rest schon ganz schön gefährlich, aber keine Angst, es leben noch alle.

Also dann, bis morgen und morgen auf ein Neues!

Paula Wötzel

Paula à Bruxelles

Unser Vorstandsmitglied Paula ist diese Woche in Brüssel und berichtet täglich hier im Blog, wie sie den Einblick in die europäische Politik erlebt.

Europaparlament, Europäische Kommission, Rat der Europäischen Union, Europäischer Rat – all diese Begriffe kennt man spätestens ab dem GRW-Unterricht in der 11. Klasse, doch so richtig blickt man da auch nach einigen Unterrichtsstunden nicht durch, da die Strukturen eine so hohe Komplexität besitzen. Aus diesem Grund bin ich gerade mit weiteren 26 Schülern aus Sachsen auf dem Weg nach Brüssel, um mir das alles mal live anzusehen und mehr Informationen und Erklärungen über die Institutionen und ihre Aufgaben zu bekommen. Noch habe ich die Hoffnung, danach den kompletten Durchblick in Sachen EU zu besitzen. Ich werde euch in den nächsten drei Tagen berichten, was ich hier so alles erleben darf – und vor allem lernen. Schließlich bin ich ja auf Bildungsreise 😉

Wie sieht es hier denn eigentlich aus?

Zu wenig Geld. Zu wenige Lehrer. Zu wenig Unterricht. – Genau so ist der Stand in Sachsen.

Das ist eine Situation, die nicht so bleiben darf. Es kann nicht sein, dass in ganz Sachsen circa 4 Prozent des Unterrichts ausfällt, 50% der dieses Schuljahr eingestellten Lehrer an Oberschulen Seiteneinsteiger waren, bis 2020 50% der Lehrer in Rente gehen und die Aussicht auf adäquaten Ersatz gering ist . Wir als Schüler möchten die Bildung erhalten, die uns zusteht und nicht nur eine abgespeckte Variante, mit der wir nur einen Teil des Unterrichtsstoffes vermittelt bekommen. Es geht hier um unsere Zukunft, die uns durch fehlenden Matheunterricht vielleicht verbaut wird.

Da unsere Regierung nicht vorrausschauend gehandelt hat und die Warnsignale nicht frühzeitig erkannt hat, müssen wir als Schüler jetzt für eine bessere Situation und mehr Lehrer kämpfen. Wir werden am 29.09.2016 gemeinsam mit dir zum #bildungsretter.

Mit unzähligen anderen Schülern kannst du dich am 29.09. für Sachsens Bildung einsetzen, in dem du 15:30 Uhr an der Kundgebung des LandesSchülerRates vor dem Landtag teilnimmst. Du kannst etwas Großes erreichen und etwas verbessern, sowohl für dich selbst, als auch für die anderen 451000 Schülerinnen und Schüler unseres Landes. Sei also dabei. BILDET DIE RETTUNG – RETTET DIE BILDUNG!

Alle Informationen unter bildungsretter.de

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Wie vergleichbar ist Deutschlands Bildungslandschaft?

Vor nun drei Wochen trafen sich die Landesschülervertretungen aus ganz Deutschland zur Bundesschülerkonferenz, um sich zum Thema Bildungsmobilität auszutauschen. Sachsen hat sich selbstverständlich ebenfalls beteiligt und Dorian mit Isa nach Rheinland-Pfalz geschickt.

Nachdem bei der Tagung ein Positionspapier verabschiedet wurde und wir uns intern an die Nachbereitung gemacht haben, kam die Frage auf, wie man unser Bildungssystem denn nun tatsächlich vereinheitlichen kann, um Chancengleichheit für alle Schüler zu gewährleisten. Damit meinen wir, dass zwar gleiche Möglichkeiten für jeden Schüler geschaffen werden sollen, jedoch weiterhin auf einer individuellen Förderung des Einzelnen klar das Primat liegen soll.
Die Bundesschülerkonferenz hat sich mit dem Problem auf nationaler Ebene auseinandergesetzt. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Bestrebung zu nationalen Lösungen begrüßenswert ist, einige spezifische Probleme aber keiner Pauschallösung, sondern einer differenzierten Auseinandersetzung im Kleinen erfordern. Denn wenn Äußerungen wie „Ein sächsisches Abitur ist weit mehr wert, als ein Hamburger Abitur“ getätigt werden, bleibt oft die Frage des „Wieso?“ aus. Das Bestreben zur Bildungsvergleichbarkeit muss bereits innerhalb der Bundesländer, der Kreise, der Städte bis hin zu den Schulen selbst einsetzen.

Zum Verständnis ein Beispiel aus dem Kurssystem:
Angenommen ein Jahrgang hat 44 Schüler, die nun aufgrund der Begrenzungen zur Klassenstärke auf zwei Geschichtskurse verteilt werden. Kurs A befasst sich im ersten Halbjahr mit der Machtergreifung Hitlers, während Kurs B nationale Identitätsfindung behandelt. Jetzt kann man natürlich sagen, der Lehrer ist frei und solange er sich an seinen Lehrplan hält, steht es ihm frei, die Themenkomplexe in für ihn angemessener Weise zu ordnen. Das würde bedeuten, dass am Ende des Jahres Kurs A und Kurs B auf demselben Wissensstand sind und das ist doch genau das, was bewirkt werden soll. Wie kommt es nun, dass, obwohl die Verteilung der Schüler absolut zufällig war, der Punktedurchschnitt von Kurs A bei 11,5 und der von Kurs B bei 7,3 liegt? Jeder Lernende ist verschieden und passt nicht unbedingt zum Lehrstil des Lehrers, das steht außer Frage. Das würde allerdings keinen derart großen Unterschied ausmachen. Es stellt sich heraus, dass die Klausuren zu den jeweiligen Themenkomplexen in Kurs A und Kurs B unterschiedlichen Inhalts, Umfangs und Anforderungsniveaus waren, bei Kurs B waren die LK’s nicht angekündigt und Lehrer B hat bei Vorträgen einen weitaus strengeren Bewertungsmaßstab als Lehrer A. Ist das also noch vergleichbar? Letztlich schreiben beide Kurse dieselbe Abiturprüfung und wenn dann der eine Kurs schlechter vorbereitet ist als der andere und zusätzlich die Vornoten schlechter ausfallen, entsteht doch ein nicht zu vernachlässigendes Ungleichgewicht. Dieses schulinterne Beispiel lässt sich auch auf den Bewertungsmaßstab der Realschule (96%: Note 1, 80%: Note 2, 60%: Note 3) im Vergleich zum Punktesystem im Abitur (85%: Note 1,  70% Note 2, 55%: Note 3) übertragen. Für die gleiche Bewertung muss der Schüler also am Gymnasium im Schnitt weniger vom vermittelten Stoff wissen. Natürliche gestaltet sich dieser am Gymnasium auch breiter gefächert und fordernder als an der Realschule – das wird gar nicht in Frage gestellt – dennoch spricht nichts dagegen, das Punktesystem auch an Realschulen einzuführen und die Prozentsätze anzugleichen.

Kommen wir nun zurück zur BSK mit der Forderung einer nationalen Lösung. Es sollte inzwischen jedem bekannt sein, dass die Länder offensichtlich unterschiedliche Anforderungen an die Lernenden stellen. Das fängt bei Lerninhalten an und geht über Stundenzahlen weiter bis zu den Bewertungsmaßstäben. Bildung ist nun einmal Ländersache und somit steht ihnen diese Freiheit offen, jedoch zum Leidwesen der Bildungsvergleichbarkeit. Es ist zumindest wünschenswert, dass die Länder beginnen, {zunehmend} an einem Strang zu ziehen. Das schließt eine bundesweite, schulartunabhängige Vereinheitlichung der Bewertungsmaßstäbe, Angleichung des Fächerangebots sowie – zumindest schrittweise – der Lehrinhalte ein.

Hier besteht also Handlungsbedarf. Und das Schöne ist, dass es nicht einmal aufwändig ist, etwas dagegen zu tun. Der Schlüssel liegt in der konstruktiven Kommunikation. Und wenn sich dieser Austausch nicht bloß auf die eigene Schule beschränkt, sondern auch stadt- und kreisweit erfolgt, haben wir einen bedeutenden Schritt in Richtung Bildungsvergleichbarkeit gemacht. Inwieweit eine bundesweite Angleichung erfolgt, steht in den Sternen. Abschließend ist erneut festzustellen, dass die Bestrebungen der Bundesschülerkonferenz zur nationalen Bildungsvergleichbarkeit großartig und unterstützenswert sind. Jedoch ist es manchmal empfehlenswert, Mängel im Fundament auszumerzen, bevor man sich an Fehler in der Gesamtkonstruktion macht.

Dorian Desler, Bundesdelegierter 

Im Test: Das norwegische Schulsystem

Es war nebelig und kalt, als ich am 10.10.2015 gemeinsam mit Annika und Lisa in den Zug stieg. Unsere Reise führte uns nach Bergen in Norwegen. Dort haben wir eine Woche lang die Schule besucht, mit Schülern und Lehrern gesprochen und uns so ein Bild vom norwegischen Schulsystem gemacht. Da die skandinavischen Länder in Pisastudien meist die ersten Plätze belegen nahmen wir sie als Vorbild. Es war unser Ziel, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zu finden und zu ermitteln, inwieweit diese Unterschiede sich auf das Lernverhalten der Schüler auswirken. Die Schüler beider Länder sollten die Möglichkeit besitzen, alternative Lehrmethoden kennenzulernen sowie etwas vom anderen Land zu erfahren. Dabei sollte nicht nur der Schulalltag als Hauptpunkt, sondern auch der Alltag im jeweils anderen Land dazu dienen, neue Einblicke zu gewinnen. All das entstand aus einer Idee von „Chemnitz 15“, wo wir feststellten, dass die Unterrichtsvermittlung in Deutschland neuen Schwung braucht. Gefördert und unterstützt wurden wir dabei vom evangelischen Landesjugendpfarramt Dresden und durch die Sächsische Jugendstiftung mit ihrem NOVUM Programm.

Übernachten durften wir bei einer netten Familie in der Nähe von Bergen. So bekamen wir auch die sympathische norwegische Mentalität zu spüren, nur der Weg zur Schule war etwas schwierig. Zum Bus ging es einen steilen Hang abwärts, der nicht immer sicheren Halt bot. Die Stadt jedoch liegt idyllisch zwischen riesigen Bergen an einem Fjord. Die Landschaft war atemberaubend schön und nicht nur die Natur begeisterte uns, sondern auch die Schule. In Norwegen ist es meistens ganz normal, dass Schüler im Unterricht mit ihren Laptops arbeiten. Diese sind sogar oft fest in den Unterricht eingebunden. Die Schüler können sich über ein schuleigenes System mit den Lehrern austauschen. Die Medienkompetenz der Schüler ist dementsprechend hoch. Auch die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern ist viel entspannter als es viele hier in Deutschland kennen. Dort ist es normal, den Lehrer beim Vornamen anzusprechen oder ihn nachmittags anzurufen, falls es Fragen zu den Hausaufgaben geben sollte. Auch können so gut wie alle Lehrer fließend Englisch sprechen, sodass uns die Kommunikation sehr leicht fiel. Besonders begeistert war ich von einem Projekt, welches die Schüler gerade in Englisch bearbeiteten. Sie lasen einen Steven King Roman, schauten dann den Film dazu und diskutierten anschließend mit der Lehrerin über die Handlung und die Charaktere. Auf dieses Gespräch bekamen sie dann ihre Note. Auch in unserer Umfrage, ob sie in der Schule glücklich seien, gaben die meisten Schüler an, dass sie mehr als glücklich sind und dankbar für die viele Unterstützung, die sie an ihren Schulen erhalten. Das Projekt ermöglichte uns viele neue Eindrücke und Begegnungen. Das Sightseeing kam natürlich auch nicht zu kurz. Wir wanderten durch tiefe Wälder, bekannte Gebäude und alte Museen. Unser Hausvater erklärte uns dabei ganz anschaulich die wirtschaftlichen Verbindungen Bergens mit Europa und wie die Fischerei die Arbeit damals beeinflusste.

Als wir wieder in Deutschland waren, ging das Projekt weiter. Vier Tage lang haben wir versucht, den Unterricht wie in Norwegen zu gestalten und unseren Lehrern somit zu zeigen, dass man den Unterricht auch vielseitig und spannend gestalten kann. Daran nahmen auch zwei norwegische Austauschschülerinnen teil. Während der Schulzeit nahmen sie am Unterricht teil und ergänzten diesen durch Wissen und Erfahrungen. Im Deutschunterricht haben wir durch die Vielzahl an Nationalitäten in unsere Klasse den Ablauf einer Erörterung in sechs Sprachen geübt (deutsch, norwegisch, englisch, spanisch, französisch und russisch). Unsere Lehrer waren von den Konzepten positiv überrascht. Nach der Schule haben wir mit den Austauschschülern viel unternommen. Wir waren gemeinsam essen, im Leipziger Zoo, im Asisi-Panometer und mehreren Museen. Jetzt haben wir die LESKA-Projekttage an unserer Schule, dem BSZ 1 Leipzig für Wirtschaft und Verwaltung, abgeschlossen. LESKA steht dabei für LEhrsystem SKAnadinavien. Wir stehen noch immer mit unserer Gastfamilie und einigen Lehrern in Kontakt.

Anna-Marie Freiberg, Beraterin im LandesSchülerRat

Norwegen-Familie

Schulgesetznovelle – Veränderung voraus?

Wir haben nun über Monate viel Zeit und Aufwand in die Auseinandersetzung mit dem 2017 inkrafttretenden neuen Sächsischen Schulgesetz gesteckt. Nun da eine Position manifestiert und die Anhörungsphase vorüber ist, bleiben sicher einige Fragen offen. Wo sind Stärken oder Schwächen im Gesetzesentwurf? Sind wir prinzipiell zufrieden? Werden Veränderungen spürbar sein? Wir haben bereits öffentlich bemängelt, dass weder moderne Standards, tiefergreifende demokratische Prozesse an Schulen oder verlängertes gemeinsames Lernen eine tragende Rolle im neuen Gesetzesentwurf haben. Außerdem wurden Anschuldigungen laut, die Inklusion, eine der momentan größten Aufgaben, die das Schulsystem zu bewältigen hat, käme zu kurz – es existiert sogar eine Petition, die aus eben diesem Grund den Prozess der Schulgesetznovellierung zu stoppen versucht. Die Frage, die im Laufe der Recherche diesbezüglich aufkam war: Ist Inklusion oder Integration wirklich bis ins letzte Detail zu reglementieren? Sollen Vorschriften allein die Antwort auf die große Frage des „Wie“ sein? Das ist skeptisch zu sehen. Sicher kann das Schulgesetz Möglichkeiten zur Erleichterung der Prozedur geben und einiges, wie die spezielle Förderung von Inklusionsbedürftigen, durchaus erleichtern, daran ist nicht zu zweifeln. Aus persönlichem Interesse war ich enttäuscht darüber, dass Umwelterziehung eine weniger bedeutsame Rolle im Schulalltag spielen soll, trotz der offensichtlichen Notwendigkeit der frühzeitigen Sensibilisierung in diesem Punkt. Einen positiven Eindruck machte die geplante, zusätzliche Auseinandersetzung und Integration von E-Learning in den Unterricht, der den modernen Anforderungen an den zukünftigen Arbeitnehmer gerecht werden soll. Leider sind diesbezüglich keine konkreten Entwürfe vorliegend und es ist zweifelhaft, inwieweit die bestehende Infrastruktur die Umsetzung solcher Projekte zulässt, wir sind gespannt.
Wir sind sehr dankbar, unseren Teil am Gesetzesentwurf beisteuern zu dürfen und begrüßen das damit einhergehende Vertrauen uns gegenüber. Zufrieden sind wir trotzdem nicht wirklich, da, wenn auch viel umgesetzt wurde, viele von uns geforderte Punkte fehlen. Immerhin ist es ein Schritt und wir werden den Prozess weiterhin beobachten und kommentieren!

Bulimie-Lernen? Nein danke. Kommentar eines sächsischen Vaters

Wir haben eine Mail eines Vaters erhalten, der seine Meinung zum sächsischen Bildungssystem aufgeschrieben hat. Das Schreiben war ursprünglich an die Verantwortlichen im Kultusministerium und der Sächsischen Bildungsagentur gerichtet. Wir finden: Gut auf den Punkt gebracht!

Sie erreicht mit dieser Mail die Anmerkung eines besorgten Vaters, der Vater von drei Töchtern ist. Eine Tochter hat im vergangenen Jahr das Abitur abgelegt und studiert. Zwei Töchter besuchen die siebte und die neunte Jahrgangsstufe eines sächsischen Gymnasiums.

Mit wachsendem Unverständnis müssen meine Frau und ich wiederholt feststellen, dass der lehrplangestützte Unterrichtsstoff Anforderungen stellt, die von Schülern nicht mehr ohne Schaden zu bewältigen sind. Unsere Töchter sind gute bis sehr gute Schülerinnen, eigeninitiativ, wissbegierig und grundsätzlich lernfreudig. Sie wachsen in einem offenen und bildungsnahen Klima auf und gehen ihren Interessen in Musik und Theater mit Leidenschaft nach. Aufforderungen zur Hausaufgabenerledigung sind bei ihnen entbehrlich. Wir beobachten jedoch, dass der Unterrichtsstoff nur dann zu bewältigen ist, wenn der ohnehin schon knapp bemessene Freiraum genutzt wird, um Hausaufgaben zu erledigen, komplexe Arbeiten zu erstellen, Referate vorzubereiten. Dies geht erkennbar zu Lasten von Familienleben und jenen Freiräumen, die jugendliche Heranwachsende benötigen, um soziale Interaktion einzuüben, Umwege zu gehen, sich auszuprobieren.

In dieser Wahrnehmung werden wir gestützt durch Beobachtungen von anderen Eltern, die über psychische Auffälligkeiten, Unruhe, Schlafstörungen, Konzentrationsverlust, Schulversagensangst und zunehmend auch über depressive Verstimmungen bei ihren Kindern berichten – und das in einem besorgniserregenden Umfang. Wer sich die Lehrpläne im Freistaat Sachsen anschaut und einen stichprobenartigen Vergleich mit Lehrplänen anderer Bundesländer vornimmt, kommt zu dem Ergebnis, dass Sachsen Spitzenanforderungen an seine Schüler stellt.

Ich will Ihnen ganz undiplomatisch und in aller Offenheit sagen: Diese Lehrplanüberfrachtung, die Schülern am Ende der Sekundarstufe I in methodischer und fachlicher Hinsicht Kenntnisse abverlangt, die eigentlich in ein akademisches Studium gehören, macht die Kinder krank! Es wird mit einem “seelenlosen” Fakten- und Detailwissen nicht nur für den Moment und die nächste Klassenarbeit gelernt, sondern es wird den Kindern dadurch sozialer und familiärer Freiraum vorenthalten, und besonders schlimm: Es wird die Freude am Lernen und die experimentelle Neugier, die Motor menschlicher Entwicklung war und ist, genommen.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz verlangt eine jugendamtliche Zustimmung, wollen unsere Kinder nur 20 Minuten auf der Theaterbühne mitwirken. Weitgehend kritiklos wird hingegen akzeptiert, dass unsere Kinder mit Unterrichtsstunden, Hausaufgaben, Sonderaktionen und schulischen Vorbereitungsaktivitäten auf eine Wochenarbeitszeitbelastung von deutlich (!) über 40 Stunden kommen.

Erinnern Sie sich noch an die gewerkschaftliche Forderung aus den 50er Jahren der alten Bundesrepublik: Am Samstag gehört der Papi mir! Angesichts der aktuellen Verhältnisse ein frommer Wunsch, nicht weil der Papi heute am Samstag arbeitet, sondern sein Kind arbeiten muss. Viele Lehrer erwarten, dass die unterrichtsfreie Zeit in den Ferien genutzt wird, um beispielsweise Referate vorzubereiten (“Ihr hattet doch Zeit genug.”). Unsere Kinder haben schon ohne Hausaufgaben einen sieben- bis achtstündigen “Arbeitstag” ohne Sonderaufgaben, da ist es geradezu unvermeidlich, das Wochenende auch dann zu nutzen, wenn von Freitag auf Montag keine Hausaufgaben erteilt wurden.

Im Arbeitsleben von uns Erwachsenen wird gerne von Work-Life-Balance gesprochen. Schüler haben heutzutage nur eingeschränkt hierzu die Möglichkeit. Unsere Töchter spielen Instrumente und brennen für ihre Theaterleidenschaft. Hier wird effektiver und vernetzter gelernt für: das musikalisch-ästhetische Empfinden; den sprachlichen und gestischen Ausdruck; das Soziale im Umgang untereinander; den psychologisch reifenden Blick auf die Abgründe, aber auch Höhen menschlicher Existenz; die historischen Kenntnisse zum Geschehen auf der Bühne.

Zu umfassend gebildeten Schülern gehört eben auch die Möglichkeit, sich auszuprobieren, Umwege zu gehen. Wann sollen sie das machen. Wenn sie Berufsanfänger sind und sich das erste Kind vielleicht schon ankündigt?

Es bleibt im Ergebnis: Die sächsische Schulpolitik orientiert sich an einer Überbetonung der MINT-Fächer und an einer stillschweigend akzeptierten Ökonomisierung der Lehrpläne (“Wir bilden Schüler, die später im Beruf erfolgreich sein können?”).

Es gibt generell in Sachsen eine geringere Wertschätzung für Musik, Sport, Kunst, Reli, Ethik – allen gegenlautenden Beteuerungen zum Trotz! Für mich steht unumstößlich fest, dass nur ein Ausbau der “weichen” Fächer Sozialisationsdefizite in den Herkunftsfamilien auffangen kann, um so den empathischen Blick auf den Notleidenden zu schärfen und Brandanschläge auf Flüchtlingsheime zu verhindern. Dieser Blick wird nicht geschult durch die Kenntnis einer hochkomplexen Chemieformel oder der Ausbuchstabierung des Terzquintseptakkords.

Hier fällt mir ein Diktum des vormaligen Richters am Bundesverfassungsgericht, Udo di Fabio, ein, der da sinngemäß sagte: Wir erleben einen Bedeutungsverlust der intermediären Kräfte und einen Bedeutungszuwachs der Zweckrationalismen bürokratischer und wirtschaftlicher Denkweisen.

Diese Zweckrationalismen haben etwas Selbstimmunisierendes, Selbstreferentielles. Also: Die Zusammenhänge und Grundbedürfnisse, der “Sitz im Leben”, werden nicht mehr erkannt, die Inselverantwortlichen verabsolutieren ihren Verantwortungsbereich.

Das erklärt auch die sprachlich geradezu aufgeblasenen Lehrpläne bereits für die Sekundarstufe I, die sich eher wie die Rahmenanweisung für ein universitäres Proseminar lesen als dass sie den konkreten Lebens- und Erfahrungshorizont von zwölf- bis vierzehnjährigen Kindern zum Bezugspunkt machen.

In einem Leserbrief, den ich in Reaktion auf eine erschreckende Interviewäußerung von Ministerin Kurth verfasste und den ich Ihnen hiermit zur Kenntnis gebe, hatte ich bereits im vergangenen Jahr meiner Befürchtung Ausdruck verliehen, dass die schleichende Ökonomisierung von Bildungsplänen nicht mehr einem universalen Bildungsanspruch und seiner Selbstzweckhaftigkeit Rechnung trägt, sondern den Anforderungen von Wirtschaft und Verwertbarkeit.

Spitz formuliert: Nehmen Sie als Bildungsverantwortliche die Warnrufe von Jugend- und Kinderpsychiatrie zur Kenntnis, die von einer Dauerüberforderung von Schülern ausgehen?

Meine Frau und ich sind leistungsorientiert, unsere Bildungsgänge sind akademisch geprägt, wir sind keine Querulanten, keine notorischen Besserwisser, wir können es auch einmal hinnehmen – Irren ist menschlich –, dass unsere Kinder nach unseren Maßstäben ungerecht behandelt werden, wir kämpfen nicht um eine 2 statt einer 3. Wofür wir kämpfen, das sind unsere Kinder!

Und hier greift unsere verfassungsrechtlich garantierte elterliche Fürsorge- und Erziehungspflicht und die anderer Eltern. Wir können es nicht mehr hinnehmen, dass aufgeblasene Lehrpläne Wissensfortschritt, Neugier, Persönlichkeitsentwicklung und Experimentierlust zerstören und zugleich noch die Kinder ihren Eltern entziehen. Bei allem Respekt vor staatlicher Bildungsplanung und verfassungsrechtlicher Schulpflicht: Unsere Kinder lassen wir uns nicht nehmen. Pflege und Erziehung sind die uns als Eltern zuvörderst obliegende Pflicht (Artikel 6 Absatz 2 Grundgesetz). Diesem höchsten normativen Auftrag können wir jedoch nur gerecht werden, wenn uns die staatliche Bildungsplanung hierzu die nötigen Freiräume lässt. Wir haben einen Anspruch darauf.

Kommen Sie mit der Elternschaft ins Gespräch! Formale demokratische Beteiligungsformen wie aktuell zur Novellierung des sächsischen Schulgesetzes sind wünschenswert, benötigen jedoch in der Kultus- und Bildungsverwaltung aufmerksame und lernbereite Zuhörer.

Mir ist bewusst, dass viele von Ihnen beim Lesen dieser Anmerkungen spontan eine reservierte bis ablehnende Haltung einnehmen werden. Ich kann das verstehen, darf Sie dennoch bitten, über meine Kritikpunkte nachzudenken, sind sie doch nicht Ausdruck spontanen Unmutes, sondern eines erfahrungsgesättigten Blicks auf die Realitäten.

Martin Döring

Hinweis: Bislang hat noch kein Verantwortlicher aus dem Kultusministerium auf diese Mail reagiert. Warum wohl?

Online-Petition: Kindeswohl contra Schulstress in Sachsen. Bulimie-Lernen? Nein danke!

Lehrplan verändern für mehr politische Bildung?

„Wir werden die Lehrpläne anpassen, um noch mehr Platz für die politische Bildung im Unterricht zu schaffen.“, kündigte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich zur Sondersitzung im Sächsischen Landtag am Montag an. Nach fremdenfeindlichen Ausschreitungen wie in Clausnitz und Bautzen, sollen Lehrer mehr dazu angehalten werden, mit ihren Schülern über politische Themen zu diskutieren. Dafür möchte Kultusministerin Brunhild Kurth kein neues Unterrichtsfach einführen, sondern bei einzelnen Unterrichtsfächern sparen, um der Demokratie mehr Platz im Unterricht zu verschaffen. Dies würde weniger Faktenwissen, dafür aber wichtige Kompetenzen für ein lebenslanges Lernen bedeuten. Auch der LandesSchülerRat Sachsen fordert seit langem, dass politische Bildung und kritisches Denken als Bestandteil schulischer Kompetenzvermittlung wieder zu etablieren ist. Die geforderten Freiräume würden nun also entstehen und auch der Mangel an Flexibilität der Inhalte würde sich so verbessern. Der bereits bestehende GRW-Unterricht ist in Sachsen mit einer Ausnahme allerdings weder ein Leistungskurs, noch setzt er nach unserer Auffassung rechtzeitig ein. Auch die wöchentliche Stundenanzahl ist um mindestens eine Stunde zu niedrig angesetzt. Die Vermittlung des Stoffes hängt am Ende auch immer vom Lehrer ab. Daher ist die Schaffung von Freiräumen, um offen und ausreichend über aktuelle Themen sachlich neutral zu diskutieren, ein guter erster Schritt. Wenn der Lehrer über die Unterrichtszeit im GRW-Unterricht freier verfügen kann, lässt sich der Unterricht optimaler gestalten. Dazu braucht es natürlich auch intensive Fortbildungen der Lehrkräfte, um qualifiziert offenere Unterrichtsmethoden, wie Diskussionsforen, moderieren zu können. Wenn die Möglichkeiten da sind, sollten Hemmschwellen auch abgebaut werden. Grundsätzliches Vertrauen in die Kompetenzen des Lehrpersonals ist darum wichtig. Wo genau der Unterricht dafür eingespart werden könnte, lässt noch Diskussionsstoff übrig.

Anna Marie Freiberg, Beraterin im LandesSchülerRat Sachsen

Tagesablauf der bildungspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion

mdl_Iris_Raether-LordieckDen typischen Tagesablauf gibt es für Politikerinnen nicht. Aber es gibt gewisse Konstanten. Dieses Beispiel ist ein solcher Tag, der besonders war und doch vielen Regelmäßigkeiten unterlag.

Ich stehe morgens zwischen 6:00 Uhr und 6:30 Uhr auf. Mein Mann macht das Frühstück. Gegen halb acht verlässt er das Haus. Meist sitzen wir zusammen am Frühstückstisch. Es wird die Freie Presse aus Chemnitz gelesen. Man muss ja informiert sein über die Ereignisse vor Ort.

Zuhause bin ich in Limbach-Oberfrohna. Mein Bürgerbüro ist in Lichtenstein. Wenn es nach Dresden geht, brauche ich mit dem Auto etwa eine Stunde. Auf dem Weg in den Landtag höre ich dann meistens Deutschlandfunk. Nachdem ich 9:30 Uhr angekommen bin, beginnt die Vorbesprechung zu den Haushaltsverhandlungen. Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen und dem Mitarbeiter der SPD-Fraktion bereiten wir Änderungsanträge vor und beraten die Strategie für den Tag. Um 11:00 Uhr der nächste Termin. Informelles Treffen mit der Kultusministerin (CDU) zum Thema freie Schule. Welche Veränderungen gibt es am Gesetzentwurf? Wurden die Stellungnahmen berücksichtigt? Gibt es Nachbesserungen bei der Finanzierung? Das sind meine Fragen. Frau Kurth und der Abteilungsleiter antworten. 12:00 Uhr geht es in den Raum A 300 – das ist der Fraktionssaal der SPD. Heute tagen dort aber die Haushalts- und Finanzpolitiker*innen der Regierungsfraktionen (SPD und CDU). Mit Blick auf die Semperoper und die dahinterliegende Silhouette der Dresdner Altstadt stelle ich gemeinsam mit dem Bildungspolitiker der CDU unsere Änderungsanträge der Reihe nach vor. Der Arbeitskreis berät, es wird diskutiert. Einige Anträge werden angenommen, der Großteil wird vertragt – es geht um viel Geld für die Bildung in Sachsen. 13:30 Uhr ist das Frage-Antwort-Spiel im Arbeitskreis vorbei. Es folgt ein schnelles Mittagessen in der Kantine des Landtages. Es gibt Salat und Soljanka.

Eine halbe Stunde später treffen vier Vertreter*innen der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege im Landtag ein. Die LIGA ist ein Zusammenschluss von AWO, Caritas, Diakonie, Deutschem Roten Kreuz, Parität und ZWST. Thema sind erneut

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die Schulen in freier Trägerschaft und die bevorstehende Neufassung des Gesetzes. Die Träger haben bedenken. Ist der neue Gesetzentwurf verfassungskonform?

Anschließend ziehe ich mich in mein Landtagsbüro zurück. E-Mails werden beantwortet, Aufgaben verteilt und der Terminkalender gecheckt. Bevor es zurück in den Wahlkreis geht noch einmal Rückmeldung an das Kultusministerium. Aus dem Gespräch mit der LIGA habe ich mitgenommen, dass am Gesetzentwurf nachgebessert werden muss. Verantwortlich dafür ist Ministerin Kurth, die ich am Vormittag bereits sprechen konnte. Bevor ich also wieder in das Auto steige, leite ich meine Bedenken an die Staatsregierung weiter. Zurück im Wahlkreis reicht es heute nur für einen kurzen Besuch im Bürgerbüro. 18:30 Uhr ist die Staatsministerin für Gleichstellung und Integration zu Gast, Petra Köpping (SPD). Die Veranstaltung „Willkommen in Sachsen – Unser Umgang mit Flüchtlingen und Asylsuchenden“ haben die Mitarbeiter*innen im Bürgerbüro organisiert. Die Kulturmühle in Langenchursdorf ist gut besucht. Kein Wunder, denn die Zeitungen sind voll mit Artikeln und Kommentaren zum Thema. Leider muss ich schon vorzeitig gehen, denn 20:00 Uhr findet der Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer in Chemnitz statt. Dazu habe ich eine besondere Verbindung, denn als Selbständige betreibe ich ein Ingenieurbüro in Limbach-Oberfrohna.

So spät wie heute, gegen 22:00 Uhr, komme ich nicht immer nach Hause. Mein Mann hat bereits gegessen. Wir sprechen über die Erlebnisse des Tages und freuen uns auf einen freien Tag am Wochenende. Der erste nach drei Wochen.