Archiv der Kategorie: Blog

Opposition ist richtig Arbeit – im Interesse der Demokratie

2013-12-17_-_Cornelia_Falken_-_Sächsischer_Landtag_-_1607Ein Tag mit der bildungspolitischen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag Cornelia Falken

Während ein Mitglied einer Regierungsfraktion sich dem Grunde nach auf das verlassen kann, was die Regierung und die Ministerien mit ihrem riesigen Beamtenapparat täglich bearbeiten, ist der Arbeitsalltag eines Mitglieds der Oppositionsfraktion deutlich arbeitsintensiver. Weniger repräsentative Termine sondern politische Kärrnerarbeit stehen hier im Vordergrund. Alle Schritte der Regierung, in meinem Fall des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und der Ministerin Brunhild Kurth, müssen hinterfragt werden. Besteht der Gesetzentwurf den Praxistest? Entspricht die Äußerung der Ministerin auf der Pressekonferenz der Wahrheit? Kann ihr Sachvorschlag überzeugen? Stets gilt es zu fragen: Wer handelt in welchem Interesse? Es ist es nahezu unmöglich, als Opposition eigene Vorschläge per Mehrheitsbeschluss im Landtag durchzusetzen. Umso mehr kommt es darauf an, Druck zu erzeugen, jenen Akteuren, die von den Regierungsaktivitäten direkt betroffen sind, eine Stimme zu geben, den Sachverstand der Experten aus der Praxis sprechen zu lassen, um die Regierung zum Umdenken zu bewegen. Oft ist es schon ein Erfolg der Opposition, wenn sich die Regierung überhaupt mit einem Thema auseinandersetzt oder am Ende doch noch einen Teilaspekt im Gesetzentwurf berücksichtigt. Und es ist auch Aufgabe einer Oppositionspolitikerin die Äußerungen der Regierung so zu hinterfragen, dass für die Öffentlichkeit deutlich wird: Was verbirgt sich hinter Formulierungen wie „optimierte Steuerung“, „Personalanpassung“, „langfristige Perspektiven“? Häufig verwenden Regierungspolitiker solche Floskeln um negative Auswirkungen zu verschleiern. Gäbe es keine Opposition, käme all das erst ans Licht, wenn es zu spät ist.

Wie nun sieht ein typischer Tagesablauf als bildungspolitische Sprecherin der LINKEN aus? Ich stehe 7.00 Uhr auf. Zum Frühstück lese ich drei Tageszeitungen und den Pressespiegel des Sächsischen Landtags auf meinem I-Pad. Um acht sitze ich im Auto nach Dresden. Über meine Freisprechanlage erledige ich zahlreiche wichtige Telefonate. 10.00 Uhr beginnt die Sitzung des Arbeitskreises III meiner Fraktion, dessen Leiterin ich bin. Hier werden alle Anträge und Gesetzentwürfe aus den Bereichen Bildung (Kita, Schule, Weiterbildung, berufliche Bildung), Jugend- und Familienpolitik, Kultur, Wissenschaft, Medienpolitik und Gleichstellung inhaltlich intensiv beraten und erörtert. Im Arbeitskreis bereiten wir die Ausschuss- und Plenarsitzungen vor und fassen Beschlüsse zu den eigenen parlamentarischen Aktivitäten, so etwa zu den Anträgen auf die Einstellung von mehr Schulpsychologen, die Sicherung der Schulstandorte insbesondere im ländlichen Raum und eine stärkere Demokratisierung schulischer Lerninhalte. 13.00 Uhr habe ich einen Termin mit Vertretern des Landeselternrates, die sich mit mir über die Schwerpunkte im Entwurf des sächsischen Doppelhaushaltes 2015/16 unterhalten wollen und mir ihre Sicht auf den Gesetzentwurf der Regierung zu Schulen in freier Trägerschaft darstellen. Wir diskutieren miteinander und gleichen ab, wo es gemeinsame Ansichten gibt, die die Fraktion DIE LINKE in die Debatte einbringen wird. Dass es überhaupt einen solchen Gesetzentwurf gibt, ist auch meiner Fraktion zu verdanken. Gemeinsam mit Abgeordneten von SPD und Grünen haben wir eine so genannte Normenkontrollklage erhoben. Das Gesetz für Schulen in freier Trägerschaft aus dem Jahr 2012 verstieß aus unserer Sicht gegen die Sächsische Verfassung. Ist man dieser Ansicht, kann man eine entsprechende Klage vor dem Verfassungsgerichtshof in Leipzig anbringen. Und die Richter haben unsere Ansicht geteilt. Das Gesetz wurde als verfassungswidrig eingestuft und das Gericht hat der Regierung den Auftrag gegeben ein neues Gesetz mit bestimmten Auflagen zu erlassen. Dieser neue Entwurf liegt jetzt vor, bleibt aber aus unserer Sicht weit hinter dem zurück, was das Gericht gefordert hat.

Nach dem Gespräch mit den Elternvertretern fahre ich nach Grimma. Dort hat der Oberbürgermeister eine Diskussionsreihe etabliert, in deren Mittelpunkt die „Integration an Schulen“ steht. Dass es hier an allen Ecken und Enden klemmt, ist nicht nur in Grimma zu sehen, sondern weiß ich aus zahlreichen Gesprächen in meinem Büro. Immer wieder kommen Eltern benachteiligter und behinderter Kinder zu mir und beklagen Schwierigkeiten im Integrationsprozess. Oft kann ich helfen, in dem ich die Eltern bei Gesprächen mit der Schulleitung begleite – der Fehler im System aber bleibt: zu wenig pädagogische und sozialpädagogische Fachkräfte, zu große Klassen, zu wenig individuelle Fördermöglichkeiten, zu viele Problemfälle in einer Klasse, zu lange Wartefristen bei der Beantragung von Hilfen etc. etc. etc.

Im Podium in Grimma sitzen auch die bildungspolitischen Sprecher der anderen Landtagsfraktionen. Notwendigerweise ist man über viele Dinge anderer Ansicht. Die Vertreter der Regierungsfraktionen loben die Fortschritte, die Oppositionspolitiker beklagen deren Mangel. Können wir mit solchen Runden konkrete Abhilfe schaffen? Wohl kaum, aber sie sind wichtig. Erstens werden die Politiker nur in der Begegnung mit lokal konkreten Beispielen gezwungen, sich mit der Praxis auseinander zu setzen und zweitens können die Zuhörer sich ein Bild machen, bei welchem Vertreter welcher Fraktion sie mehr Fachkompetenz und persönliche Glaubwürdigkeit beobachten. Und sie sollten an solche Runden denken, wenn sie das nächste Mal in der Wahlkabine stehen und ihr Kreuz machen wollen.

Nach dem Termin in Grimma fahre ich zurück nach Dresden. Als stellvertretende Vorsitzende der Partei DIE LINKE.Sachsen bin ich Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand. Dieser trifft sich jeden Montag, um die aktuell anstehen Herausforderungen für die Partei in Sachsen zu besprechen. Auch hier geht es wieder darum: Probleme erkennen, Ursachen analysieren, Lösungsvorschläge erarbeiten. Gegen 20.00 Uhr fahre ich – telefonierend – zurück nach Leipzig, wo ich mich an den Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer setze und die Sitzungen des nächsten Tages vorbereite.

Das klingt nach einem anstrengenden Tag, vor allem, wenn man bedenkt, dass fast alle meine Tage einschließlich der Wochenenden ähnlich voll gepackt sind. Das hält man nur durch, wenn es einem Spaß macht. Mir macht meine Arbeit als Abgeordnete vor allem dann Freude, wenn ich die Belange der Bürgerinnen und Bürger, das heißt in meinem Fall jene von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern in die politische Diskussion so einbringen kann, dass die Regierung nicht daran vorbei kann. Ich halte es für meine Aufgabe, über Kleine Anfragen im Landtag wichtige Details zur Regierungsarbeit zu erfragen, die oftmals für die Betroffenen von großer Bedeutung sind. Das alles hätte nur halb so viel Wert, wenn nicht die Medien über diese Arbeit nicht berichten würden. Über diesem Weg hat der Bürger die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren. Besonders wichtig bleibt aber der direkte Kontakt mit den Bürgern. Fast wöchentlich empfange ich Gruppen von Schülerinnen und Schülern im Landtag, um über meine Arbeit als Abgeordnete zu berichten. Auch hier erfahre ich, was die Menschen umtreibt und kann neue Aufgaben für mich definieren. Es besteht also kein Zweifel daran, dass auch in Zukunft die Arbeit in der größten Oppositionsfraktion unersetzlich bleibt für eine funktionierende Demokratie im Sinne des Ausgleichs unterschiedlicher Interessen und der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Ein Arbeitstag der bildungspolitischen Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag – Petra Zais

zais-petra-620x41315. Juli 2015

 05:00 Uhr      Der Wecker klingelt, wieder zeitig aufstehen. Mit der Zahnbürste im Mund lauf ich durch meine Wohnung und packe meine Tasche für den heutigen Tag. Nach Kaffee und Regionalzeitung mache ich mich auf den Weg zum Chemnitzer Hauptbahnhof, um meinen Zug nach Dresden zu bekommen.

07:03 Uhr      Abfahrt. Während der Fahrt lese ich Sächsische Zeitungen und schaue was aktuell in der Presse zum Thema Bildung aber auch zu Asylpolitik besprochen wird. Das Smartphone kann ich kaum nutzen, auf dem längsten Teil der Strecke fehlt der Empfang.

08:30 Uhr      Endlich bin ich im Landtag angekommen und kann mir meine erste Tasse Kaffee an diesem Tag gönnen. Nebenbei bespreche ich mit meiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin meine heutigen Termine und stimme mit ihr die Aufgaben für den Rest der Woche ab.

09:00 Uhr      Zusammen mit meinem Kollegen Valentin Lippmann und dem Fraktionsgeschäftsführer Achim Wesjohann besprechen wir das Begleitprogramm für unsere NSU-Ausstellung, die im November im Landtag zu sehen sein wird.

09:30 Uhr      Ich werte zusammen mit meiner parlamentarischen Beraterin eine kleine Anfrage aus. Es ist sehr erschreckend, dass in Bautzen z.B. nur 8,7% der Lehrkräfte an sächsischen Förderschulen eine vollständige sonderpädagogische Ausbildung haben. Mit solch einer löchrigen Personaldecke kann keine adäquate pädagogische Betreuung von Kindern mit Behinderungen gewährleistet werden. Hier muss Sachsen kräftig nachholen. Passend zur kleinen Anfrage sind auch meine heutigen Gäste im Landtag vom Ausschuss zur Förderung von Kind mit Entwicklungsbesonderheiten (FKE) im Landeselternrat Sachsen. Ich bin schon sehr auf das Gespräch gespannt.

10:00 Uhr      Im Gespräch mit den Vertretern des Landeselternrates sprechen wir über inklusive Schule in Sachsen. Schwerpunkt ist die Schulgesetznovellierung. Zusammen wollen wir den Einsatz von InklusionshelferInnen in Regelschulen befördern. Ich finde die Arbeit der Eltern sehr bewundernswert. Sie finden neben ihrem Beruf und ihren Kindern, die häufig besondere Aufmerksamkeit benötigen, auch noch Zeit, sich politisch zu engagieren.

12:00 Uhr      Beim gemeinsamen Mittagessen zusammen mit den anderen Abgeordneten und MitarbeiterInnen unserer Fraktion wird nicht nur über Politik gesprochen. Kinder und Enkel sind immer ein Thema und als Oma von 3 EnkelInnen kann ich gut mitreden. Gerade wird diskutiert wie die Zeugnisse der Kinder ausgefallen sind. Zu Schule hat jeder und jede eine Meinung!

13:52 Uhr      Ich sitze wieder im Zug. Diesmal geht es nach Zwickau. Während der Fahrt arbeite ich weiter an einem Antrag, der nach der Sommerpause in den parlamentarischen Ablauf soll.

15:00 Uhr      Im Regionalbüro in Zwickau bespreche ich mit meiner dortigen Mitarbeiterin Termine in der Region.

16-18 Uhr    Bürgersprechstunde. Heute ist ein Asylbewerber in der Sprechstunde. Obwohl der Arbeitsvertrag mit einer Firma vorliegt, wird ihm keine Arbeitserlaubnis gewährt. Danach ist ein Bürger im Büro, der sich gern im Umweltbereich ehrenamtlich engagieren möchte.

19:30 Uhr      Ich sitze wieder im Zug und erfahre über unsere Familiengruppe auf WhatsApp, was sich den Tag über so ereignet hat.

20:30 Uhr      Endlich wieder zu Hause! Ein kurzer Blick in die Mails und dann erstmal Abendbrot. Jetzt ist die Anspannung des Tages etwas vergangen und ich kann die wichtigsten Mails beantworten. Leider häufen sich in den letzten Wochen die Übergriffe auf Flüchtlinge, auch die Unterbringung und Versorgung lässt oft zu wünschen übrig. Viele Menschen erwarten von mir, dass ich mein politisches Gewicht für die Rechte der Schwächsten einsetze und das tue ich auch. Heute geht es um die Versorgung von Babys in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Es mangelt an Windeln, Babynahrung und ausreichender ärztlicher Betreuung.

23:00 Uhr      Ab in die Federn. Morgen warten wieder neue Aufgaben und interessante Menschen auf mich. Aber zum Einschlafen erstmal ein Krimi ….

Es gibt keinen Gott

Man konnte die Aufregung in der Luft spüren, als wir uns endlich von den engen Sicherheitsgurten losschnallen konnten. Trotz 22 Stunden in Flugzeugen und Flughafenterminals gab es keine Spur von Müdigkeit. Voller Vorfreude verließen wir das Flugzeug, passierten die Visakontrolle und holten unsere Rucksäcke ab. Zwei Lehrer und über ein Dutzend Schüler aus Freiberg standen nun etwas unbeholfen vor dem Flughafen. „Namaste“, rief uns Raj, ein Freund aus Nepal, entgegen, als er uns entdeckte. Es ist die übliche Begrüßung im religiösen Nepal und bedeutet: „Ich grüße den Gott in Dir!“ Wir waren angekommen. Vor uns lagen nun drei unvergessliche Wochen.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Katmandu und Pokhara, einer Touristenstadt im Herzen Nepals, folgte eine zehntägige Trekkingtour im Annapurnagebiet. Gemeinsam mit unseren holländischen Freunden wanderten wir täglich durch Berge und Täler und konnten dabei einiges von dem genießen, was die nepalesische Natur zu bieten hat. Morgens beim Sonnenaufgang betrachteten wir die Berge, wie sie nacheinander von der Sonne wachgeküsst wurden. Einmal gesellte sich sogar ein Yak dazu, der mit seiner Herde in der Nähe der Lodge nächtigte.

Beim trekken stieß der eine oder andere an seine Grenzen. Doch wir motivierten uns immer wieder gegenseitig und so besiegte die Freude auf die neuen Eindrücke hinter dem nächsten Berg stets die Erschöpfung. Das Durchhalten zahlte sich aus, denn es sind nicht nur die Naturschönheiten, sondern vor allem die Menschen, die dieses Land so einzigartig machen. Abends wurde uns von den Bewohnern oft Rakshi, ein selbstgemachter Hirse-Schnaps, angeboten, den wir – fast immer – ablehnten. Nach den zehn Tagen waren wir aber erst einmal geschafft, sodass es zurück nach Katmandu ging.

Nun stand der Höhepunkt der Reise bevor, der Besuch unseres Partnerdorfes Gati. Das Dorf liegt am Berghang, der Weg dahin ist ziemlich steil und erschöpfend. Doch bereits auf halber Strecke kamen uns die ersten Bewohner entgegen, die es kaum erwarten konnten, uns die Rucksäcke abzunehmen. Im Dorf selbst wurden wir mit einer kleinen Zeremonie empfangen. Blumenketten, Tücher mit heiligen Symbolen und ein Segenspunkt Tika für jeden fehlten dabei natürlich nicht.

Die Schülerfirma hat in den Jahren zuvor einiges in Gati erreicht. Es wurden eine Schule renoviert und erweitert, ein Kindergarten gebaut und für beide Einrichtungen der Großteil der Personalkosten übernommen. In der Kali Devi Secondary School machen sogar Schüler aus umliegenden Dörfern ihren Schulabschluss. Bei unserer Reise wurde das zehnjährige Bestehen dieser Partnerschaft gefeiert, zudem fand in dieser Zeit das Lichterfest statt. So konnten wir die nepalesische Kultur in ihrer Mannigfaltigkeit hautnah erleben. Wir sangen nepalesische spirituelle Lieder, während kleine Opfergaben an die Götter gesegnet wurden. Danach tanzten wir sogar zum Fliegerlied.

An all das habe ich gedacht, als ich die Eilmeldung im Fernsehen sah. Bilder von zerstörten Tempeln in Katmandu, Tempel, die ich vor zwei Jahren selbst besucht habe. Dazu die Ungewissheit über unsere Freunde in Gati. Eine Kommunikation war unmöglich, da das Erdbeben die Infrastruktur massiv beschädigte. Dann erreichte uns die Hiobsbotschaft. In Gati sind fast alle Gebäude zerstört. Der Gedanke, dass die letzten Jahre in der Schülerfirma umsonst waren, machte sich in unseren Köpfen breit. Die Schule gab es nicht mehr, die Häuser, in denen wir übernachteten wahrscheinlich auch nicht. Die kurze Nachricht endete mit: „Es gibt keinen Gott.“ Da dachte ich an die Tempel und Gebetsmühlen, die spirituellen Rituale und Gebetsfahnen und mir wurde klar, dass ein Nepali diesen Satz nicht leichtfertig über die Lippen bringen könnte.

Aber trotzdem war all das, kein Grund für uns aufzugeben. Nach dem wir uns wieder gefasst hatten, hat unsere Arbeit erst so richtig begonnen! Wir schmiedeten Pläne, und überlegten wir unseren Freunden in Nepal am besten helfen können. Am Sonntag wird ein Benefizkonzert stattfinden, ganz Freiberg ist aktiv uns zu unterstützen und natürlich haben wir ein Spendenkonto angelegt. Deswegen seid auch ihr dabei. (Infos: http://www.nepalfreiberg.de/cms/index.php)

Frederike Horn, Vorstandsmitglied
Maroš Fenik, Landesdelegierter

Lehrermangel – Und immer wieder grüßt das Murmeltier

LEhrermangel-200x159Im Vorfeld zur Schülerkonferenz „Chemnitz 15“ wollen wir nochmal zu den Dauerbrennern von „Chemnitz 13“ informieren. Was hat sich getan? Was ist passiert? Lest rein und steigert eure Vorfreude!

Jeder Schüler wurde in seiner Schullaufbahn schon einmal mit diesem Thema konfrontiert. Auf den ersten Blick ist es schön, statt zwei Stunden Mathe länger schlafen zu können. Oftmals bleit es jedoch nicht bei zwei Stunden. Ein Lehrer fällt aus und der Unterricht kann gar nicht oder nicht fachgerecht vertreten werden, und das über Wochen, denn es gibt einfach nicht genug Lehrer. Noch dazu kommt, dass Sachsens Lehrer ein Durchschnittsalter von circa 53 Jahren haben. Nach Angaben des Staatsministeriums für Kultus (SMK) gehen davon bis 2020 mehr als 8.000 Lehrer in den Ruhestand, bis 2030 werden es etwa 80% der derzeit Beschäftigen sein. Spätestens jetzt sollten bei allen die Alarmglocken angehen.

Deshalb forderte der Landesschülerrat Sachsen (LSR) schon zur Landtagswahl 2014 in seinen bildungspolitischen Maßgaben die Staatsregierung auf, die Einstellung neuer Lehrer in Sachsen stärker voranzutreiben. Nur durch die Neueinstellung vieler junger Lehrer kann der Unterrichtsausfall langfristig gedeckt werden. Werden diese Neueinstellungen nicht vorgenommen wird das hohe Bildungsniveau in Sachsen stark darunter leiden. Aber auch der Beruf des Lehrers muss attraktiver gestaltet werden.

Schon bei Chemnitz 13 diskutierten viele Schüler und Schülerinnen über dieses immer wiederkehrende Thema. Besonders wurde die Qualität der Lehrer bemängelt. Oftmals wird der Lernstoff nicht verständlich rübergebracht und die Lernmethoden lassen immer mehr zu wünschen übrig. Wichtig dabei für die Schüler, eine Lösung muss damit anfangen, Lehrer wieder mehr anzuerkennen. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst wie viel Arbeit und Zeit hinter diesem Beruf steckt. Sie wissen nicht wie schnell es geht bei den vollkommen überfüllten Klassen mal die Nerven zu verlieren. Lehrer sind auch bloß Menschen!

Auch unsere Kultusminsterin Brunhild Kurth äußerte sich zu diesem komplexen Thema: „Bis 2025 scheiden etwa die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer altersbedingt aus dem sächsischen Schuldienst aus. Deshalb wird der Freistaat Sachsen in den nächsten Jahren zahlreiche gut ausgebildete Lehrkräfte einstellen, die bereit sind, mit Engagement und Leidenschaft Schule in Sachsen zu gestalten. Lehrernachwuchs wird in allen Schularten, Fächern und Regionen Sachsens benötigt. Besondere Bedarfsschwerpunkte bestehen für Lehrkräfte an den Grundschulen, Oberschulen und Förderschulen. Lehrkräfte für mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer und Fremdsprachen werden in allen weiterführenden Schularten benötigt.“

Frau Kurth schwingt mit dieser Aussage große Worte. Noch scheint dieses Versprechen unrealistisch. Man kann also gespannt sein auf die nächsten Jahre, angeblich ohne Lehrermangel aber mit exzellent ausgebildeten Lehrern und Lehrerinnen. Besonders mit den angekündigten 6.100 Stellen, die die neue Koalition versprochen hat.

Sollten wir darüber nicht nochmal ins Gespräch kommen? Was macht Lehrer aus und wie kriegen wir junge Leute wieder dazu Lehrer zu werden? Kommt einfach vorbei bei Chemnitz 15!

Frederike Horn, Vorstandsmitglied

Schulsozialarbeit – Eine Investition in die Zukunft Sachsens ?

schule-grundschule-hausaufgaben-tipps-kind-erziehung-probleme-schularbeiten-jugendliche-schuelerIm Vorfeld zur Schülerkonferenz „Chemnitz 15“ wollen wir nochmal zu den Dauerbrennern von „Chemnitz 13“ informieren. Was hat sich getan? Was ist passiert? Lest rein und steigert eure Vorfreude!

Viel bewegt sich im Rahmen von Schulsozialarbeit. Alle politischen Parteien kommen überein, dass Schulsozialarbeit wichtig und unerlässlich ist um große bildungspolitische Projekte zu begleiten und zu unterstützen. Ununterbrochen wird dabei das Thema Inklusion und die Senkung der Schulabbrecherquote benannt. Doch wie sieht es mit den Schülern aus. Um das heraus zu finden, hat der LandesSchülerRat Sachsen von April bis Mai 2014 eine nicht repräsentative Umfrage unter 2562 sächsischen Schülern aller Schularten durchgeführt. Dabei gaben 95 % der Schüler ohne Schulsozialarbeiter an, das entspricht 53 % der Befragten, dass sie einen Schulsozialarbeiter an ihrer Schule für sinnvoll halten würden. Das macht 1.358 Schüler! An den Schularten Oberschule, Gymnasium und Berufsschule sahen jeweils über 95 % der Befragten den Bedarf.

Darüber hinaus finden 97 % der Schüler mit Schulsozialarbeiter das Angebot an ihrer Schule sinnvoll und bewerten es im Durchschnitt mit der Schulnote 2. Trotzdem werden wegen auslaufender ESF-Mittel Stellen abgebaut. Allerdings gaben 54 % der Befragten an, noch nicht mit ihrem Schulsozialarbeiter gearbeitet zu haben. Dabei berichteten die Schüler von ihrem Problem: Sie würden ihn zwar gerne besuchen, aber er ist viel zu selten da. Deswegen gaben auch 13 % an, dass es schwierig ist mit dem Schulsozialarbeiter Kontakt aufzubauen. Und 29 % glaubten nicht das Ihnen der Schulsozialarbeiter helfen könne.

Auch bei „Chemnitz 13“ war man von der Arbeit der Schulsozialarbeiter überzeugt ist. Sie leisten gerade bei Themen wie Inklusion oder Mobbing einen entscheidenden Beitrag. Doch viel Potenzial bleibt ungenutzt. Leider sind die Rahmenbedingungen dazu noch nicht immer gegeben. Auch Schulpsychologen kommen zunehmend ins Schwimmen. Die Vorsitzende des Berufsverbandes der Deutschen Psychologinnen und Psychologen in Sachsen, Sabine Randow, gegenüber der dpa: „Um den bestehenden Problemen an den Schulen Herr zu werden, gibt es deutlich zu wenig Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen.“

Mit der mangelhaften Versorgung von traumatisierten Flüchtlingskindern wird das Problem besonders deutlich. Diese neuen Herausforderungen, die auf das Bildungssystem zu kommen, zeigen eine neue Dimension des Themas. Schulpsychologen und Sozialarbeiter sind an den Schulen unverzichtbare Mediatoren und Vertrauenspersonen, die jedem zur Verfügung stehen müssen, der Hilfe benötigt. Hier Investitionen auszulassen ist fahrlässig. Als Fachkraft kann ein Schulsozialarbeiter zwischen allen Bildungspartnern vermitteln: zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. Er kann Kindermit erhöhtem Förderbedarf unterstützen und bei Schwierigkeiten hilft er Schülern direkt. Das von Seiten der Staatsregierung in allen Bereichen zu unterstützen, ist nicht abzusehen. Der Koalitionsvertrag nimmt erst einmal den Bund in die Pflicht, beim Thema Schulsozialarbeit.

Doch erst kürzlich trumpfte unsere Kultusministerin mit der Forderung nach mehr Schulsozialarbeit auf. Gegenüber dem Handelsblatt betonte Brunhild Kurth, derzeit auch Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die Wichtigkeit von Schulsozialarbeitern an Schulen und den Ausbau dieser Stellen. Bevor man gleich die Marschrichtung für den Bund angibt, sollte man vielleicht erst einmal vor der eigenen Haustür kehren.

Lasst uns darüber vielleicht auch bei „Chemnitz 15“ ins Gespräch kommen. Wie können wir Schulsozialarbeitern helfen? Was lässt sich nachhaltig verändern?

Alexandra Zins, Beraterin des Vorstandes

Homophobie und sexuelle Vielfalt – alltägliche Realität in unserer Gesellschaft ?

Im Vorfeld zur Schülerkonferenz „Chemnitz 15“ wollen wir nochmal zu den Dauerbrennern von „Chemnitz 13“ informieren. Was hat sich getan? Was ist passiert? Lest rein und steigert eure Vorfreude!

Homosexualität, ein Begriff den wir fast täglich in irgendeinem Kontext hören; gleichgültig ob in den Nachrichten, in der Schule, auf Arbeit, in der Politik, als Bezeichnung für eine Bevölkerungsgruppe, oder sogar als eine Form der Beleidigung. Doch sollte das so sein? Sollte eine sexuelle Minderheit als Anlass für Beleidigungen dienen? Weiterlesen

Alles inklusiv oder was?

Im Vorfeld zur Schülerkonferenz „Chemnitz 15“ wollen wir nochmal zu den Dauerbrennern von „Chemnitz 13“ informieren. Was hat sich getan? Was ist passiert? Lest rein und steigert eure Vorfreude!

Inklusion, das Thema was wahrscheinlich immer wieder für Diskussionen sorgt. Sollen Kinder mit Behinderung in die Regelschulen eingegliedert werden? Wie soll eine solche Eingliederung umgesetzt werden? Oder sollen Menschen mit Behinderung auch in Zukunft unter sich bleiben? Weiterlesen

Neues Jahr – Neues (Lern-)Glück?

imageDas Jahr 2014 hat sich dem Ende zugeneigt und nun eröffnet uns das Jahr 2015 nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch neue Herausforderungen. Vor dem Halbjahreszeugnis stehen für die meisten Schüler die letzten Leistungsüberprüfungen an. Besonders für die zukünftigen Abiturienten beginnt ab Januar die intensive Vorbereitung für die anstehenden Prüfungen. Und das Internet und unzählige Ratgeber wollen einen helfen: „Zu lernen, wie man lernt.“ Doch was sind die besten Tricks? Weiterlesen

„Generation-Porno“ eine Woche in Aktion

Logo_JGAWas habt ihr eigentlich in eurem Aufklärungsunterricht gelernt? Gute Frage, nächste Frage? Sexuelle Aufklärung ist im Schulalltag immer ein schwieriges Thema. Es ist eins neben vielen bedeutenden, bietet aber immer wieder Sprengstoff. Eltern fühlen sich und ihre Kinder bevormundet, Lehrer trauen sich nicht immer die Themen des Lehrplans voller Elan anzugehen. Aber ein Blick auf aktuelle Zahlen lohnt sich: Es ist erschreckend, dass rund 80.00 Menschen in Deutschland – in unserer scheinbar aufgeklärten Gesellschaft – mit dem Aids-Erreger HIV leben. Dabei wissen das nur etwa 83% der Infizierten. Viele Jugendliche wachsen heute nicht mehr in dem Bewusstsein auf, sich beim Geschlechtsverkehr gegen eine lebensbedrohliche Krankheit schützen zu müssen. Inzwischen können Menschen zwar trotz einer Infektion alt werden, aber dazu sind sie ein Leben lang von Medikamenten abhängig. Dafür muss aber die Krankheit rechtzeitig erkannt werden. Weiterlesen