20% Weniger Schüler:innen, aber dafür doppelt so belastet – Wir kritisieren die Prioritätensetzung des Kultusminister

»Traurigste Statistik Sachsens« – so bezeichnete Conrad Clemens die kürzlich vom statistischen Landesamt veröffentlichte Prognose, nach der die Schüler:innenzahlen bis 2040 um 20% sinken könnten. Clemens zeigt sich deutlich besorgt, während wir uns die Frage stellen, ob die Reaktion des Kultusministers wirklich die richtige Antwort auf eine Herausforderung, wie diese ist.

Der Kultusminister sprach sich dafür aus, angehenden Lehramtsstudierenden offen zu kommunizieren, dass sie sich dieser Situation bewusst sein sollten. Wir kritisieren diese Haltung. »Wir kämpfen jetzt schon mit drastischem Lehrkräftemangel. Wenn wir jetzt anfangen, junge Menschen, die sich für das Lehramtsstudium im Freistaat Sachsen entscheiden, aktiv davon abzubringen, können wir uns von zukunftsfähiger Bildung gleich mit verabschieden«, so unsere Vorsitzende Lina Zeeh. Wir betonen, dass die Konsequenz einer Statistik, wie dieser es sein sollte, angehende Lehrkräfte zu unterstützen und gleichzeitig den Standort Sachsen sowohl für Lehrkräfte als auch Familien attraktiv zu halten. Dies muss einhergehen mit der Erhaltung von Schulstandorten, um ein zukunftsfähiges Bildungssystem zu ermöglichen.

Des Weiteren kritisieren wir die Prioritätensetzung der Staatsregierung scharf. Rechtsextremismus beispielsweise scheint keine große Rolle zu spielen, wenn es um traurige Statistiken der Bildungspolitik geht. Dabei verzeichnete das Landesamt für Schule und Bildung 2024 mehr als doppelt so viele Vorfälle von klar rechtsextremen Symbolen und Zeichnungen bis hin zu ideologisch motivierten Gewaltvorkommnissen, wie noch 2019. Und nicht nur das; das sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, veröffentlichte in einer Studie zur mentalen Gesundheit von Schüler:innen nach der Pandemie nicht weniger traurige Zahlen. Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Essstörungen führen zu einer verstärkten psychischen Belastung der Schüler:innen. »Während wir jeden Tag gegen rechtsextreme Vorfälle an Schulen und für mehr Unterstützung der Schüler:innen kämpfen müssen, beschäftigt sich die Staatsregierung lieber mit den Schüler:innen, die in den Schulen fehlen werden, als mit den akuten Problemen derer, die jetzt in den Klassenräumen sitzen«, stellt Lina fest. Bislang wurde zu wenig für die Bedürfnisse der sächsischen Schüler:innen getan und das sollte die höchste Priorität sein, fordern wir. Der Freistaat Sachsen sollte die Zukunft gesunder Bildung im Freistaat stärken, anstatt sich auf sinkenden Schüler:innenzahlen auszuruhen.

Wir betonen die Wichtigkeit einer Strategie zur Bekämpfung des Lehrkräftemangels, sowie endlich akut benötigte Unterstützung an den Schulen. »Was der Freistaat sich nicht leisten kann, sind weitere Verzögerungen. Wir müssen die Probleme angehen, mit denen die Schüler:innen jetzt konfrontiert sind«, fasst Lina zusammen.